Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr eG

Die Genossenschaft ist in Zeiten der nationalen und weltweiten Krisen die gelebte Alternative!

Im deutschsprachigen Raum gründeten zwei Männer gleichzeitig, unabhängig voneinander, die ersten Genossenschaften. 1847 rief Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Weyerbusch den ersten Hilfsverein zur Unterstützung der notleidenden ländlichen Bevölkerung ins Leben. Er gründete 1862 den „Heddesdorfer Darlehnskassenverein“, der heute als erste Genossenschaft im Raiffeisenschen Sinne gilt. Zur selben Zeit rief Hermann Schulze-Delitzsch in Delitzsch eine Hilfsaktion ins Leben, die den in Not geratenen Handwerkern zugutekam. Nach den Grundsätzen der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung gründete er 1847 die „Rohstoffassoziation“ für Tischler und Schuhmacher und 1850 den „Vorschussverein“ − den Vorläufer der heutigen Volksbanken.

 
Friedrich Wilhelm Raiffeisen   Hermann Schulze-Delitzsch
von Foto: De.Update [Public domain],
via Wikimedia Commons
  Lizenziert unter Gemeinfrei
über Wikimedia Commons

Im 19. Jahrhundert führten Bauernbefreiung, Industrialisierung und zunehmende Land-Stadt-Migration zu einer Verschärfung des Existenzkampfes auf dem Land und zu einem Niedergang traditioneller Strukturen im Handwerk. Um den sozialen Missständen in der Stadt und auf dem Land zu begegnen, schlossen sich Arbeiter und Landwirte zu verschiedenen Genossenschaften zusammen.

Heute stehen Genossenschaften vor neuen und ebenfalls großen Herausforderungen. Wir erleben große Umwälzungen in der Natur, in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Krisen der Neuzeit sind geprägt durch das ausschließliche Streben nach Kapital, Macht und deren Konzentration.

Zu den Leidtragenden dieser Entwicklung zählen unter anderem klein- und mittelständische Unternehmen in den Städten. Weltweit agierende Unternehmen drängen sich, zur Steigerung ihrer individuellen Gewinne, in die nationalen und regionalen Märkte. Denn statt bisher durch klein- und mittelständische Unternehmen vor Ort wird die Befriedigung der Bedürfnisse in ständig zunehmenden Maße durch überwiegend industriell gefertigte Waren aus teilweise weit entfernten Ländern übernommen. Millionen offizielle Arbeitslose und hinzugezählt die verdeckten Arbeitslosen, deren Anzahl weit höher ist als die offiziellen Zahlen, sind mit Grund dafür, dass die nationalen Finanz- und wirtschaftskreisläufe sich nicht auf einem stabilem Niveau halten können. Hinzu kommen die nachfolgend beschriebenen Krisen, die Einfluss auf das gesellschaftliche Miteinander und die Abhängigkeiten untereinander haben.

Finanzkrise

Die Finanzkrise ab 2007 ist eine globale Banken- und Finanzkrise als Teil der Weltwirtschaftskrise ab 2007, die im Sommer 2007 als US-Immobilienkrise (auch Subprimekrise) begann. Die Krise war unter anderem Folge eines spekulativ aufgeblähten Immobilienmarkts (Immobilienblase) in den USA. Als Beginn der Finanzkrise wird der 9. August 2007 festgemacht. Die Finanzkrise veranlasste mehrere Staaten, große Finanzdienstleister (unter anderem die Commerzbank) durch riesige staatliche Fremdkapital- und Eigenkapitalspritzen am Leben zu erhalten. Die ohnehin hohe Staatsverschuldung vieler Staaten stieg krisenbedingt stark an.

Wirtschaftskrise

Der kräftige Rückgang der Frühindikatoren in den letzten Monaten hat es bereits angekündigt: Die deutsche Wirtschaft wächst nicht mehr, sie schrumpft. Nun sind auch noch die Industrieaufträge eingebrochen.

Die Bestellungen nahmen im August 2014 um 5,7 Prozent zum Vormonat ab, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009 auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise. Ökonomen hatten lediglich ein Minus von 2,5 Prozent erwartet, nachdem es im Juli noch einen Zuwachs von 4,9 Prozent gegeben haben sollte.

Dann entwickelten sich die Aufträge „angesichts der zögerlichen Wirtschaftsentwicklung im Euroraum und der Verunsicherung der Wirtschaft durch die geopolitischen Ereignisse insgesamt schwach“.

- Starker Rückgang der Auslandsnachfrage

Dadurch fiel die Nachfrage aus dem Ausland im August um insgesamt 8,4 Prozent. Während die Aufträge aus der Euro-Zone um 5,7 Prozent abnahmen, schrumpften die aus dem Rest der Welt um 9,9 Prozent. Dabei war zuletzt die Hoffnung entstanden, dass die kräftige Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar die Exporte beleben würde.

Die Binnenkonjunktur in Deutschland weist deutliche Bremsspuren auf. So sanken die Inlandsaufträge um 2,0 Prozent. Besonders deutlich fiel die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen. Hier gab es ein Minus von 8,5 Prozent. Die Bestellungen von Konsumgütern wuchsen dagegen um 3,7 Prozent, die nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien ließen um 3,0 Prozent nach.

- Immer mehr negative Vorzeichen

Damit setzen sich die Anzeichen für ein vorzeitiges Ende des wirtschaftlichen Wachstums in Deutschland fort. In den letzten Monaten sind bereits alle Frühindikatoren wie der Ifo-Index, der ZEW oder der GfK-Konsumklima-Index kräftig gesunken. Insgesamt ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2014 um 0,2 Prozent geschrumpft.

Umweltkrise

Insgesamt sind die Gefährdungen der Natur ebenso wenig schicksalhaft wie unvermeidbar, sondern resultieren aus industriellen Modernisierungsprozessen.

Moderne Gesellschaften gefährden sich dadurch, dass sie Ressourcen aufzehren, zu deren Erhaltung sie nichts beitragen, und von deren Existenz sie gleichzeitig abhängen. Die alte Entwicklungsmaxime, zunächst wirtschaftlichen Wohlstand zu erreichen und sozial-ökologische Folgekosten später zu reparieren, ist hinfällig geworden. Die ökologische Krise zeigt, dass das technisch-industrielle Fortschrittsmodell so nicht linear fortgesetzt werden wird, da es sonst die erfolgreiche Sicherung der menschlichen Lebensbedingungen in Frage stellt.

Klimakrise

Wir erleben schon die Versteppung in Südeuropa. Die Ozeane übersäuern. Die nördliche Polareiskappe schmilzt vor unseren Augen ab. Und es ist bekannt, dass auch die bislang für stabil gehaltene östliche Antarktis Jahr für Jahr nennenswerte Mengen Eis verliert. Die Schmelzprozesse könnten den Meeresspiegel dramatisch ansteigen lassen. Jeder Meter mehr aber führt zu hundert Millionen Klimaflüchtlingen. Die ersten haben sich längst auf den Weg gemacht.

Das wahre Ausmaß der Bedrohung ist von den Menschen tatsächlich noch nicht erkannt worden. Die Folgen der Erwärmung sind nicht an jedem Ort der Erde direkt zu spüren. Und sie zeigen sich auch nur allmählich. Für viele ist der Klimawandel deshalb noch ein abstraktes Problem. Es reicht einfach nicht, nur die Fakten auf den Tisch zu legen. Und es entspricht der menschlichen Natur, vor allem auf unmittelbare Gefahren zu reagieren.

Wie alles begann

Angefangen hatte alles 2006 in Oberhausen, als Gerfried I. Bohlen den Entschluss fasste, im Rahmen des nun liberalisierten Energiemarktes eine Verbrauchergemeinschaft in Form einer Genossenschaft aufzubauen. Mit Stephan Kubitza und später zwei weiteren Mitarbeitern wurde ehrenamtlich aber zielstrebig die Zielsetzung dieser Gemeinschaft auf nur zwölf Quadratmetern umgesetzt. Es war eine typische Bürgerbewegung: Flyer und Plakate drucken, Protestaktionen organisieren und Aufklärungsarbeit leisten. Nach intensivster Vorarbeit fand im Juli 2007 die Gründung der  Genossenschaft statt. Schon im Mai 2011 wurde die Lieferung von Gas und Strom aufgenommen. In dieser Zeit hat sich die Genossenschaft, die auch jährlich  durch den  Genossenschaftsverband geprüft wird, personell und strukturell professionell aufgestellt. „Wir haben unsere Energiegenossenschaft sukzessive und solide aufgebaut“, sagt Gerfried I. Bohlen. „Wir haben keinerlei Zwang zu wachsen oder Gewinne zu machen. Auch haben wir als junges Team keine verkrusteten Strukturen, sondern können frei am Markt agieren und den Markt, der sich aktuell stark wandelt, wirklich leben, anstatt immer nur zu reagieren.“
So stehen die großen Anbieter mit ihren zentralen Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken vor der Herausforderung, dass die Energiegewinnung, -bereitstellung und -versorgung immer näher am Ort der Energienutzung realisiert werden wird. Solarthermie, Fotovoltaik, Bioenergie, Wind- und Wasserkraft werden längst nicht mehr belächelt, sondern schicken sich an, die bisherigen Geschäftsmodelle abzulösen. Ganz zur Freude der EGRR und damit zum Nutzen der Verbraucher. Die Genossenschaft wächst – eine erste Bezirksvertretung in Norddeutschland wurde bereits eröffnet, weitere sollen folgen.


Gerfried I. Bohlen

 

Verlässlichkeit

Wir als EGRR sind eine Wertegemeinschaft im Sinne des Genossenschaftsgedankens, die in der Regel Ziele verfolgt, die über reine Wirtschaftsbetriebe hinausgehen. Mit grundlegenden Werten wie Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Demokratie, Gleichheit und Solidarität. In Tradition der Gründer vertrauen Genossenschaftsmitglieder auf die ethischen Werte Ehrlichkeit, Offenheit, Sozialverantwortlichkeit und Interesse an anderen Menschen.

Ausdrücklich kommt für Gerfried I. Bohlen noch die moralische und ethische Partizipation hinzu. Die Teilhabe aller an gemeinsam erreichten Werten.

 

Als die Krisen erkennbar waren, staatlichen Reaktionen weltweit als nicht ausreichend erkannt wurden, entwickelte sich das auf dem Gedanken der Selbsthilfe aufbauende Genossenschaftswesen auch in der Bundesrepublik Deutschland neu. Was als eine ideale Synthese zwischen der freien Wirtschaftsordnung mit dem Wettbewerb als systembildenden Faktor und der Erhaltung der Selbstständigkeit vieler mittelständischer Unternehmen bezeichnet werden kann.

Am Energiemarkt ist durch die Pionierarbeit der Genossenschaften die Energiewende beim Bürger angekommen. Immer mehr Kommunen in Deutschland treiben sie durch den Einsatz erneuerbarer Energien wie Sonne, Wind und Biogas voran. Davon profitieren insbesondere regionale Kooperationen mit den Genossenschaften. Denn energieautarke Regionen halten die Wertschöpfung an Ort und Stelle – zum Vorteil ihrer Bürger.

Das Energiemanagement der Zukunft liegt bei den Genossenschaften. Energie ist ein Thema für alle und es ist von öffentlichem Interesse. Deutschlandweit sind in den letzten 11 Jahren 888 Energiegenossenschaften entstanden. Darunter in der Mehrzahl genossenschaftlich organisierte Energieproduzenten. So wird schon heute in den Bioenergiedörfern gezeigt, wie die Energiewende funktionieren kann: Dezentrale Energieproduktion aus regenerativen Energiequellen und optimale Nutzung der produzierten Energie durch Nahwärmenetze.

Die EGRR hat als eine der wenigen genossenschaftlichen Energielieferanten in Deutschland hierbei darauf zu achten, dass mit einem ausgewogenen Referenztarif die Interessen der Verbraucher gewahrt bleiben.